Betreuende Angehörige im Mittelpunkt

Für das grosse Engagement, das betreuende Angehörige tagtäglich und meist im Stillen leisten, bedankte sich die Schweiz am Freitag, 30. Oktober 2020. Gerade in der aktuellen Pandemie brauchen betreuende Angehörige von Menschen mit Krankheit oder Beeinträchtigung nicht nur Anerkennung, sondern auch konkrete Unterstützung.
Ohne das Engagement von betreuenden Angehörigen wäre vieles unmöglich in unserer Gesellschaft. Der «Tag für pflegende und betreuende Angehörige» soll den Bedürfnissen und Sorgen der Betroffenen besondere Aufmerksamkeit verleihen. Dazu wurden in verschiedenen Regionen unterschiedliche Aktionen durchgeführt: Eine Gratis-Hotline stand betreuenden Angehörigen offen, Fachpersonen von sechs Organisationen im Kanton Zürich beantworteten ihre Fragen. In der Region Aargau-Solothurn wurden betreuenden Angehörigen Schoko-Herzen verteilt und in Bern wurde eine Webplattform für betreuende Angehörige lanciert. Unter dem Hashtag #DankeAngehörige stimmten zahllose Menschen in den Sozialen Medien in den Dank für betreuende Angehörige ein und verschiedene Medien berichteten über die Herausforderungen, die betreuende Angehörige gerade in der aktuellen Zeit zu meistern haben.
Auch Bundesrat Alain Berset nutzte den Tag, um betreuenden Angehörigen seinen Dank auszusprechen.
Die Podcasterinnen Sara Satir und Kafi Freitag widmeten sich ebenfalls dem Thema. Als Mutter eines Jungen mit einer Autismusspektrumstörung weiss Sara Satir, von was sie spricht. Und auch, wie wichtig Unterstützung im Alltag ist.

Mit Behinderung alt werden - was dann?

Den Schwerpunkt legte der Entlastungsdienst Schweiz am diesjährigen Tag für betreuende Angehörige beim Thema Alter und Behinderung. Denn wir werden immer älter. Das gilt auch für Menschen mit Behinderungen. Ein Grossteil von ihnen wird auch und ganz besonders im Alter auf Unterstützung angewiesen sein. Wie können wir den spezifischen Bedürfnissen von älteren und alten Menschen mit Behinderungen gerecht werden? Wie können Menschen mit Behinderung im Alter trotz ihrem Angewiesen sein selbstbestimmt leben und soziale Kontakte aufrechterhalten? Und: Wer kümmert sich um sie, wenn beispielsweise die bisher betreuenden Familienmitglieder sie nicht mehrunterstützen können, weil sie selbst alt geworden sind?
Für betreuende Angehörige, die ihre Liebsten jahrelang oder gar seit deren Geburt betreut, begleitet und gepflegt haben, ist der Anbruch des Lebensabschnitts «Alter» mit besonderen Sorgen verbunden.

Die Politik in der Pflicht

Beim «Dankeschön» für betreuende Angehörige soll es derweil nicht bleiben. Darum stellt der Entlastungsdienst Schweiz vier konkrete Forderungen an die Gesellschaft und Politik:
 

Der Entlastungsdienst Schweiz dankt allen, die den Tag für pflegende und betreuende Angehörige nutzen, um sich für die Anliegen von Betreuenden einzusetzen.

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Betreuung (Care-Arbeit) ist endlich als Arbeit anzuerkennen.

Wer Nahestehende betreut, arbeitet (auch).

Ein Recht auf Betreuung in der Verfassung verankern

Um allen Menschen in der Schweiz ein würdiges Altern zu gewähren, sollte die Betreuung gesetzlich geregelt werden.

Daheim statt Heim

Die ambulante Betreuung in der eigenen Wohnung soll analog der ambulanten Pflege gefördert werden.

IV weiterentwickeln

Die IV sollte so weiterentwickelt werden, dass sie die Menschen nach der Pensionierung unterstützt.

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